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VSU-Schlagzeilen

Saarländer kaufen wegen Corona anders ein / Studie: Krisenhilfe ist deutschen Firmen sehr zugute gekommen / Karliczek: Europa mit Forschung und Innovation gestärkt aus der Krise führen

Saarland
Saarländer kaufen wegen Corona anders ein

Arbeitswelt
Scheele: Arbeitsmarkt wird bis zu drei Jahre mit Corona kämpfen
IW-Auswertung: Grundeinkommen wird nur eingeschränkt befürwortet
DAK-Umfrage: Weniger Stress, mehr Produktivität im Homeoffice
Langzeitarbeitslose: Mehrheit mit relativ stabiler Beschäftigungsentwicklung nach Wiedereinstieg

Konjunktur
EZB-Vizepräsident skeptisch für Welthandel
Studien: Europas Banken drohen massive Kreditausfälle
 
Wirtschaftspolitik
Studie: Krisenhilfe ist deutschen Firmen sehr zugute gekommen
Karliczek: Europa mit Forschung und Innovation gestärkt aus der Krise führen
 
Steuern / Haushalt
BDA-Präsident Kramer unterstützt Aufnahme gemeinsamer EU-Schulden
 


Saarland

Saarländer kaufen wegen Corona anders ein
Die Corona-Pandemie hat das Einkaufsverhalten der Saarländer verändert. Das zeigt eine Umfrage des Instituts für Konsum- und Verhaltensforschung der Universität des Saarlandes. Demnach haben die Bürger aktuell weniger Lust auf einen Erlebniseinkauf. Die sinkende Kauflust führt Studienleiterin Andrea Gröppel-Klein auf eine größere Angst vor Arbeitslosigkeit sowie auf die Maskenpflicht zurück. Profitieren würde von dieser Entwicklung der Online-Handel (Quelle: Saarbrücker Zeitung)  


Arbeitswelt
 
Scheele: Arbeitsmarkt wird bis zu drei Jahre mit Corona kämpfen
Der deutsche Arbeitsmarkt wird bis zu drei Jahre brauchen, um sich von der Corona-Krise zu erholen. "Bis wir wieder auf Normalmaß sind, das wird sicherlich bis 2022 oder 2023 dauern", sagte BA-Vorstand Scheele: "Aber wir glauben, dass das wieder gelingen kann." Aktuell sind in Deutschland 2,85 Millionen Menschen ohne Job, fast 640.000 davon als Folge der Pandemie. Scheele rechnet für den Sommer mit einer noch etwas höheren Arbeitslosigkeit, die auch saisonal üblich ist. Die Zahl werde aber im Juli oder August nach derzeitigen Schätzungen nicht die Grenze von drei Millionen überspringen. Die jetzige Krise sei virusbedingt und kaum konjunkturell oder strukturell verursacht. Deswegen sei es möglich, dass eine Erholung eintrete, wenn grundlegende Faktoren sich in die richtige Richtung bewegten. "Zurzeit gehen wir von einem Abschwung aus, der vorrangig durch die Auswirkungen der Pandemie begründet ist. Der Arbeitsmarkt war ja in guter Verfassung", sagte Scheele. Anzeichen, dass aus der als Brücke für den Arbeitsmarkt dienenden Kurzarbeit in großem Stil Entlassungen folgen und sich möglicherweise sogar eine Insolvenzwelle anschließen könnte, seien derzeit nicht erkennbar: "Die Kurzarbeit wirkt, wir sehen momentan keine Anzeichen für eine größere Entlassungswelle." (Quelle: dpa, M+E-Newsletter Gesamtmetall)
 
IW-Auswertung: Grundeinkommen wird nur eingeschränkt befürwortet
Einer IW-Auswertung des European Social Survey (ESS) zufolge wollen 42,4 Prozent derjenigen, die in Europa ein Grundeinkommen für gut befinden, den Zugang auf Menschen beschränken, die mindestens ein Jahr gearbeitet und Steuern gezahlt haben. Auch Befürworter des Grundeinkommens scheinen demnach zu finden, dass vornehmlich Erwerbsarbeit Arbeit ist und der Sozialstaat eine reziproke Angelegenheit sein sollte. Ebenfalls bemerkenswert an der Neuauswertung ist, dass sich weniger Deutsche auf ein Grundeinkommen einigen können (38 Prozent) als darauf, den Zugang zum Sozialstaat für Zuwanderer zu beschränken (mehr als 50 Prozent).
(Quelle: Süddeutsche Zeitung, M+E-Newsletter Gesamtmetall)
 
DAK-Umfrage: Weniger Stress, mehr Produktivität im Homeoffice
Eine DAK-Studie zeigt positive Auswirkungen coronabedingten Homeoffices: Demnach fühlten sich vor der Pandemie 21 Prozent der Beschäftigten regelmäßig gestresst gegenüber 15 Prozent während der Corona-Krise. Der Anteil der Erwerbstätigen, die nie oder nur gelegentlich gestresst waren, stieg unterdessen von 48 auf 57 Prozent. Die Forschungsinstitute IGES und Forsa hatten für die DAK-Studie vor und während der Pandemie jeweils rund 7.000 Beschäftigte befragt. Von denjenigen, die mittlerweile regelmäßig zu Hause arbeiten, sagten 56 Prozent, sie seien dort produktiver als im Büro. Zwei Drittel erklärten zudem, sie könnten Beruf und Familie besser miteinander vereinbaren. Ähnlich viele sehen den Zeitgewinn durch wegfallendes Pendeln zum Arbeitsplatz positiv. DAK-Vorstandschef Storm wies allerdings auf negative Aspekte des Homeoffice hin, „die es ebenfalls gibt“: Fast jeder Zweite vermisst laut der Studie die klare Trennung zwischen Arbeits- und Privatleben. Bei den 18- bis 29-Jährigen bemängelt das sogar eine Mehrheit von 52 Prozent. Drei Viertel der Befragten fehlt zudem der direkte Kontakt zu den Kollegen. Viele Betroffene wollen das Homeoffice trotzdem nicht mehr missen: 76,9 Prozent der Beschäftigten, die erst seit der Corona-Krise regelmäßig in der eigenen Wohnungen arbeiten, möchten diese Arbeitsform auch in Zukunft zumindest teilweise beibehalten. (Quelle: dpa, M+E-Newsletter Gesamtmetall)
 
Langzeitarbeitslose: Mehrheit mit relativ stabiler Beschäftigungsentwicklung nach Wiedereinstieg
Im Zeitraum von zweieinhalb Jahren ab Beginn des ersten Arbeitsverhältnisses waren 58 Prozent der zuvor Langzeitarbeitslosen mehr als zwei Jahre und damit mindestens 80 Prozent dieser Zeitspanne beschäftigt, wie aus einer neuen IAB-Studie auf Basis der Daten von rund 5.500 Langzeitarbeitslosen hervorgeht. Betrachte man dagegen nur das erste Arbeitsverhältnis nach der Langzeitarbeitslosigkeit, zeige sich: Arbeitsverhältnisse, die nach mindestens einjähriger Arbeitslosigkeit neu aufgenommen wurden, dauerten in knapp einem Drittel der Fälle mehr als zwei Jahre. In einem Sechstel der Fälle betrug die Dauer zwischen einem und zwei Jahren und in rund der Hälfte der Fälle weniger als ein Jahr. Arbeitsverhältnisse von Langzeitarbeitslosen in Vollzeit und in Minijobs sind im Schnitt weniger stabil als sozialversicherungspflichtige Teilzeitarbeit. Warum das so ist, kann die Studie anhand der vorliegenden Daten nicht abschließend klären. Denkbar sei unter anderem, dass ein Wiedereinstieg in Vollzeit manche vormals Langzeitarbeitslose tendenziell überfordere, erklärte Studienautor Umkehrer. Etwa jeder dritte Arbeitslose ist langzeitarbeitslos, also bereits länger als ein Jahr arbeitslos. Die Wahrscheinlichkeit, eine neue Beschäftigung aus der Arbeitslosigkeit heraus aufzunehmen, sinkt deutlich, je länger die Arbeitslosigkeit anhält. Während für Kurzzeitarbeitslose, also Personen, die noch kein volles Jahr arbeitslos sind, im Juni 2017 die Wahrscheinlichkeit einer Beschäftigungsaufnahme im Folgemonat rund 9 Prozent betrug, lag sie bei Langzeitarbeitslosen bei 2,7 Prozent. (Quelle: IAB, M+E-Newsletter Gesamtmetall)

 
Konjunktur
 
EZB-Vizepräsident skeptisch für Welthandel
Angesichts zahlreicher Corona-Neuinfektionen in den USA und anderen Teilen der Welt blickt EZB-Vizepräsident de Guindos mit Skepsis auf den globalen Handel. “Die Nachrichten aus den USA sind nicht gut, und das gilt auch für Lateinamerika und Teile Asiens”, sagte de Guindos. Diese Entwicklung werde auf den Welthandel durchschlagen, der nach EZB-Prognose dieses Jahr um mehr als 10 Prozent schrumpfe, was auch Länder der Eurozone zu spüren bekommen würden, die exportorientiert seien. (Quelle: Reuters, M+E-Newsletter Gesamtmetall)
 
Studien: Europas Banken drohen massive Kreditausfälle
Der Konjunktureinbruch und die zunehmende Zahl an Pleiten durch die Corona-Krise werden Europas Banken verschiedenen Studien zufolge teuer zu stehen kommen. In den nächsten drei Jahren müssten sich die Geldhäuser auf Kreditausfälle von mehr als 400 Milliarden Euro einstellen, warnte das Beratungsunternehmen Oliver Wyman in einer Untersuchung. Bei einem zweiten, europaweiten Lockdown könnten sich die Ausfälle auf mehr als 800 Milliarden Euro verdoppeln. Von 2017 bis 2019 kosteten ausgefallene Darlehen der Oliver-Wyman-Studie zufolge Europas Banken rund 160 Milliarden Euro. Bei einem Anstieg der Kreditausfälle auf 400 Milliarden würde das die Banken ähnlich stark belasten wie die europäische Schuldenkrise. Die Summe wäre aber nur 40 Prozent dessen, was die Banken für Kreditausfälle in der globalen Finanzkrise von 2008 bis 2010 abschreiben mussten. Die Ratingagentur Moody’s warnte, dass vor allem Kredite an kleinere und mittlere Unternehmen sowie unbesicherte Verbraucherdarlehen gefährdet seien. Vor allem Banken in Südeuropa hätten viel Geld bei kleinen und mittleren Unternehmen im Feuer. In Deutschland und Großbritannien liege der Anteil dieser Darlehen am gesamten Kreditvolumen dagegen unter dem europäischen Durchschnitt von 15 Prozent. Der Konjunktureinbruch infolge der Corona-Pandemie dürfte die Kreditqualität verschlechtern. Der Anteil fauler Kredite in den Bankbilanzen dürfte bis 2022 bei den meisten europäischen Banken um ein bis drei Prozentpunkte steigen, erwartet Moody’s. Ende Juni galten 8,5 Prozent der Kredite europäischer Banken an kleine und mittlere Unternehmen als ausfallgefährdet.
(Quelle: Reuters)
 
 
Wirtschaftspolitik
 
Studie: Krisenhilfe ist deutschen Firmen sehr zugute gekommen
Einer internationalen Umfrage der Großbank HSBC zufolge ist der Anteil der Unternehmen, die durch die Pandemie stark beeinträchtig sind, in Deutschland mit 53 Prozent am geringsten. Weltweit gaben 72 Prozent der Teilnehmer an, die Auswirkungen der Krise stark zu spüren. Im Rahmen der Studie wurden 2.600 Firmen in 14 Staaten mit einem Umsatz von mehr als fünf Millionen Dollar befragt, darunter 200 deutsche Unternehmen. Wie die Studie weiter zeigt, scheint die Krise das Bewusstsein für nachhaltiges Wirtschaften geschärft zu haben. 61 Prozent der deutschen Unternehmen geben demnach an, das Thema sei wichtiger geworden oder sogar wichtiger als je zuvor. Das liegt leicht unter dem weltweiten Durchschnitt von 65 Prozent. Für deutsche Unternehmen steht dabei das Thema Energiewende ganz oben, gefolgt vom Kampf gegen den Klimawandel und der Förderung nachhaltigen Verbraucherverhaltens. Und gut die Hälfte der befragten Firmen plant, sich mit nachhaltigen Lieferketten und nachhaltiger Infrastruktur zu beschäftigen. Zudem setzen der Studie zufolge in den kommenden fünf Jahren deutsche Unternehmen mit Blick nach vorn stark auf Investitionen in Technologie und Innovation. Die Firmen erwarten, dass dies unter anderem das mobile Arbeiten fördern wird und setzen mit Blick in die Zukunft verstärkt auf virtuelle Meetings. 39 Prozent der Befragten wollen Flugreisen zu Meetingzwecken reduzieren. Etwas mehr als die Hälfte der Umfrageteilnehmer rechnet sogar damit, dass flexible Arbeitsformen bei ihnen zum Standard werden.
In den vergangenen zwei Jahren haben deutsche Firmen vor allem drei Maßnahmen ergriffen, um ihr Geschäft widerstandsfähig aufzustellen. Der Hauptfokus lag auf technologischen Änderungen und Innovation (59 Prozent). 42 Prozent der Befragten haben ihr Geschäft diversifiziert und 32 Prozent konsolidierten ihre Finanzen. Mit Blick auf die Krise gaben die Befragten an, die Investitionen in Technologie und Innovation hätten in den vergangenen Monaten den größten Mehrwert gebracht. So sagen dann auch neun von zehn Unternehmen, sie seien zumindest teilweise bereit für die Herausforderungen der vergangenen Monate gewesen. Mehr als die Hälfte der befragten Firmen sagt gar, sie sei gut vorbereitet gewesen, auch wenn sie rückblickend mehr hätten tun können. Dies schlägt sich in der täglichen Arbeit nieder: Gut ein Fünftel der Unternehmen arbeitet auch in der Krise wie zu normalen Zeiten. Zwei Drittel arbeiten mit Einschränkungen, und nur etwas über ein Zehntel hat den Geschäftsbetrieb vorübergehend eingestellt. (Quelle: HSBC Deutschland, Reuters, M+E-Newsletter Gesamtmetall)
 
Karliczek: Europa mit Forschung und Innovation gestärkt aus der Krise führen
Beim ersten informellen Rat unter der deutschen EU-Ratspräsidentschaft haben die Forschungsminister der EU sich über erste gemeinsame Initiativen verständigt. Bundesforschungsministerin Karliczek betonte, die werde „alles dafür tun“, damit die EU gestärkt aus der Krise komme. „Deutschland wird die EU-Ratspräsidentschaft nutzen, um dafür alle Kräfte zu bündeln. Exzellente Forschung, Bildung und Innovation sind die zentralen Erfolgsschlüssel zu einem souveränen, widerstandsfähigen und nachhaltigen Europa“, sagte die Ministerin, die betonte, sie sei sich mit ihren europäischen Amtskollegen „im Ziel einig, die Forschungszusammenarbeit zu stärken und den Europäischen Forschungsraum kraftvoll fortzuentwickeln“. Konkret solle Europa widerstandsfähiger für künftige Krisen gemacht werden, sagte Karliczek: „Dafür haben wir heute eine gemeinsame Initiative angestoßen. Wir wollen aus der aktuellen Krise lernen, um künftige besser und gemeinsam zu meistern. Deshalb wird in der deutschen EU-Ratspräsidentschaft ein Schwerpunkt auf dem Bereich der medizinischen Bekämpfung der Corona-Pandemie und der globalen Gesundheitsvorsorge liegen. Die grenzüberschreitende Zusammenarbeit in der Forschung ist entscheidend, um die Pandemie zu bekämpfen und Impfstoffe zu entwickeln. Neben der akuten Krisenbewältigung wollen wir die Zukunft gestalten. Dafür haben wir heute über eine Forschungs- und Entwicklungsinitiative zu Grünem Wasserstoff beraten. Europa zum ersten klimaneutralen Kontinent bis 2050 zu machen, ist das übergreifende Ziel. Europa soll weltweiter Innovationsführer und Leitmarkt und -anbieter für Grüne Wasserstofftechnologien werden. Die Kommission hat dazu bereits Ideen für eine europäische Wasserstoffstrategie vorgelegt. Forschung und Innovation kommt dabei eine Schlüsselrolle zu. Umso wichtiger ist es, dass Kommission und Mitgliedsstaaten bei diesem immanent wichtigen Zukunftsthema auf Augenhöhe agieren und gemeinsam an einem Strang ziehen.“ (Quelle: Bundesministerium für Bildung und Forschung, M+E-Newsletter Gesamtmetall)
 

Steuern / Haushalt
 
BDA-Präsident Kramer unterstützt Aufnahme gemeinsamer EU-Schulden
BDA-Präsident Kramer hat die EU-Gipfelbeschlüsse begrüßt und die Aufnahme gemeinsamer Schulden gegen Kritik verteidigt. "Die EU nimmt erstmals gemeinsame Schulden auf, um den Weg zurück zu Wachstum und neuen Arbeitsplätzen in einer außergewöhnlichen Situation zu ermöglichen", sagte Kramer: "Es handelt sich um eine extern verursachte Krise ohne eigenes Verschulden der Staaten, die diesen besonderen Schritt der Solidarität in Europa erforderlich macht. Die Einigung auf einen neuen mehrjährigen EU-Haushalt und einen Aufbaufonds ist ein starkes Signal: Die EU steht für Solidarität und gegenseitige Unterstützung in den schweren Zeiten der Pandemie mit beispielloser Rezession. Die langwierigen Verhandlungen auf dem Weg zum Ergebnis irritieren mich dabei keineswegs, sondern sind bei komplexen Themen ein normaler Vorgang, der mir aus meinem gesamten Berufsleben vertraut ist." Der BDA-Präsident betonte allerdings: "Die Gelder müssen zukunftsorientiert investiert, das heißt mit den richtigen politischen Prioritäten unterlegt werden, was zu Recht einer gesonderten kontrollierenden Begleitung durch Kommission und Europäischen Rat bedarf." (Quelle: Rheinische Post, M+E-Newsletter Gesamtmetall)