Neues aus der Verbändelandschaft

ME Saar: Jeder vierte MINT-Beschäftigte im Saarland steht vor der Rente

Die Fachkräftelücke im Saarland steigt perspektivisch immer stärker an. Schon jetzt fehlen zahlreiche Fachkräfte, zeigt der aktuelle MINT‑Frühjahrsreport 2026 des Instituts der deutschen Wirtschaft. Bundesweit fehlen rund 134.000 Personen, im Saarland und Rheinland-Pfalz zusammen beträgt die Lücke 21.000 Fachkräfte.

Zugleich verschärfen strukturelle Faktoren die Lage: Das Saarland weist bundesweit den höchsten Anteil älterer MINT‑Beschäftigter ab 55 Jahren sowie den niedrigsten Frauenanteil in MINT‑Berufen auf. Jeder vierte MINT-Beschäftigte im Saarland geht in den kommenden zwölf Jahren in Rente. Deshalb ist ein erheblicher Ersatzbedarf in der Metall‑ und Elektroindustrie im Land absehbar.

Gleichzeitig erhöhen die Transformation der Industrie, die Digitalisierung und der Klimaschutz den Fachkräftebedarf zusätzlich. „Ohne gezielte Gegenmaßnahmen gefährden unbesetzte Stellen Wettbewerbsfähigkeit, Wertschöpfung und Beschäftigung im Saarland“, sagt Martin Schlechter, Hauptgeschäftsführer des Verbands der Metall- und Elektroindustrie des Saarlandes (ME Saar). „Die industrielle Stärke des Saarlandes steht und fällt mit der Verfügbarkeit von Fachkräften insbesondere auch aus dem MINT-Bereich.“

Die MINT‑Fachkräftelücke betrifft alle Qualifikationsebenen. Bundesweit entfallen rund 58 Prozent der Engpässe auf beruflich Qualifizierte mit dualer Ausbildung, 33 Prozent auf Akademikerinnen und Akademiker sowie neun Prozent auf Meisterinnen, Meister, Technikerinnen und Techniker. Besonders groß sind die Engpässe in Energie‑ und Elektroberufen, in der Metallverarbeitung sowie in der Maschinen‑ und Fahrzeugtechnik.

Aus Sicht der Arbeitgeber braucht es deshalb noch mehr strategische Maßnahmen entlang der gesamten Bildungskette. „Frühe MINT‑Bildung in Kitas und Schulen ist der Schlüssel, um langfristig mehr junge Menschen für technische Berufe zu gewinnen. Dafür brauchen Bildungseinrichtungen verlässliche Rahmenbedingungen, gut qualifiziertes Personal und regionale Handlungsspielräume“, sagt Schlechter. Die Unternehmen und ME Saar engagieren sich seit vielen Jahren in diesem Bereich und fördern die MINT-Bildung in Kindergärten und Schulen – beispielsweise gemeinsam mit der Stiftung Kinder Forschen und im Projekt „Für Technik begeistern“.

Auch ist es wichtig, den jungen Menschen die Chancen darzustellen, die mit einer MINT-Ausbildung einhergeht. Sie erlernen nicht nur wertvolle Fähigkeiten, die ihnen ihren weiteren Berufsweg ebnen, die Entgelte im MINT-Bereich liegen deutlich über den Durchschnitt anderer Berufsfelder.

Kurzfristig bleibt auch die Zuwanderung internationaler Fachkräfte unverzichtbar. „Ohne internationale Fachkräfte wäre die MINT‑Lücke noch deutlich größer. Entscheidend ist, dass Anerkennungsverfahren, Visa‑Prozesse und Integration schneller, digitaler und planbarer werden“, sagt Schlechter. Auch internationale Studierende müssten stärker im Saarland gehalten werden, etwa durch frühere Kontakte zu Unternehmen und bessere und Integrationsangebote.

 

Weitere Informationen:
Joachim Wollschläger
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