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VSU-Schlagzeilen 09.09.2021

Unionspolitiker fordern Arbeitsdienst für Langzeitarbeitslose / Regierung verlängert bis Jahresende Überbrückungshilfen für Wirtschaft / Fratzscher warnt vor Kollaps des Rentensystems in drei bis vier Jahren

Arbeitswelt 
Unionspolitiker fordern Arbeitsdienst für Langzeitarbeitslose 
  
Konjunktur 
Fed: Wachstum der US-Wirtschaft leicht verlangsamt 
  
Wirtschaftspolitik 
Regierung verlängert bis Jahresende Überbrückungshilfen für Wirtschaft 
WTO-Generaldirektorin ruft Mitglieder zum Abbau von Handelsbarrieren auf 
  
Sozialpolitik 
Fratzscher warnt vor Kollaps des Rentensystems in drei bis vier Jahren 
  
  
  
Arbeitswelt 
  
Unionspolitiker fordern Arbeitsdienst für Langzeitarbeitslose 
Führende Vertreter von CDU und CSU wollen Langzeitarbeitslose zu gemeinnütziger Arbeit verpflichten, um auf diese Weise „die Wiedereingliederung in das Arbeitsleben zu erleichtern“. Ihm schwebe eine solche Regelung für Menschen vor, „die Leistungen vom Staat erhalten und nicht bereit sind, sich in den Arbeitsmarkt zu integrieren“, sagte der CDU-Vorsitzende von Sachsen-Anhalt, Schulze. Demnach könnten die Arbeitslosen etwa Laub fegen oder Müll sammeln. Dabei gehe es vor allem darum, „die Wiedereingliederung von Langzeitarbeitslosen in das Arbeitsleben erleichtern“, sagte Berlins CDU-Fraktionschef Dregger. Der Vorsitzende der Freien Wähler, Aiwanger, erklärte, viele Langzeitarbeitslose könnten „wieder in ein normales Arbeitsleben zurückkehren, wenn sie gezielt über gemeinnützige Arbeit für den ersten Arbeitsmarkt fit gemacht“ würden und CSU-Innenexperte Kuffer erhofft sich von dem Vorstoß für die Arbeitslosen „Wertschätzung und eine persönliche Beziehung zu unserem Gemeinwesen“. 
(Quelle: afp, M+E-Newsletter) 
  
  
Konjunktur 
  
Fed: Wachstum der US-Wirtschaft leicht verlangsamt 
Das Wachstum der US-Wirtschaft hat sich einer Erhebung der US-Notenbank zufolge von Anfang Juli bis in den August leicht auf ein moderates Tempo verlangsamt, was auf Faktoren wie die Delta-Variante des Coronavirus, die Unterbrechung von Lieferketten und den Arbeitskräftemangel zurückgeführt wird. Der Automobilsektor habe zudem vor allem mit dem Chipmangel zu kämpfen. Die Beschäftigung stieg der Erhebung zufolge; die Nachfrage nach Arbeitskräften bleibe hoch, zudem beeinträchtige der Arbeitskräftemangel das Geschäft in vielen Fällen, hieß es weiter. (Quelle: Dow Jones, M+E-Newsletter) 
  
  
Wirtschaftspolitik 
  
Regierung verlängert bis Jahresende Überbrückungshilfen für Wirtschaft
Die Bundesregierung hat sich auf eine Verlängerung der finanziellen Hilfen für Unternehmen verständigt, die von der Corona-Krise hart getroffen sind. Dazu soll die sogenannte Überbrückungshilfe III Plus weitgehend um drei Monate bis zum 31. Dezember verlängert werden, erklärten Finanz- und Wirtschaftsministerium. Auch in der bis Ende des Jahres verlängerten Überbrückungshilfe III Plus sind weiterhin Unternehmen mit einem coronabedingten Umsatzeinbruch von mindestens 30 Prozent antragsberechtigt. Die Antragstellung erfolgt auch für die verlängerten Hilfen durch prüfende Dritte. Planmäßig auslaufen werde hingegen Ende September die sogenannte Restart-Prämie, die innerhalb der Überbrückungshilfe III Plus gezielt den Übergang vom Lockdown hin zur Wiederöffnung erleichtern sollte. Diese habe "ihren Zweck erfüllt", so die Ministerien. Der Eigenkapitalzuschuss, zur Substanzstärkung besonders stark und andauernd betroffener Unternehmen, wird hingegen auch über den September hinaus bis Dezember 2021 zur Verfügung stehen. Verlängert wird auch die Neustarthilfe Plus für Soloselbständige. (Quelle: Dow Jones, M+E-Newsletter) 
  
WTO-Generaldirektorin ruft Mitglieder zum Abbau von Handelsbarrieren auf 
WTO-Generaldirektorin Okonjo-Iweala hat die Mitgliedsländer zum Abbau von Handelsbeschränkungen aufgerufen. Handel sei ein entscheidender Faktor, um weltweite Herausforderungen wie den Klimawandel und die Coronavirus-Pandemie zu bewältigen, sagte Okonjo-Iweala. Beispielsweise seien die Hersteller der Corona-Impfstoffe auf globale Zuliefererketten angewiesen. Diese würden durch Exportbeschränkungen gefährdet, so die WTO-Generaldirektorin. Freier Handel sei "eine Kraft des Guten", betonte Okonjo-Iweala. 
(Quelle: dpa, M+E-Newsletter) 
  
  
Sozialpolitik 
  
Fratzscher warnt vor Kollaps des Rentensystems in drei bis vier Jahren
DIW-Präsident Fratzscher warnt vor einem baldigen Kollaps des deutschen Rentensystems. "Die Politik agiert erst dann, wenn sie mit dem Rücken an der Wand steht. So wie es im Augenblick ist, kann es wahrscheinlich noch drei bis vier Jahre ganz gut funktionieren", sagte der DIW-Präsident. Ohne Veränderung des bestehenden Rentensystems innerhalb der nächsten vier Jahre müssten vor allem junge Menschen nicht nur länger arbeiten, sondern auch mehr Steuern zahlen. "Wenn die geburtenstarken Jahrgänge, die in den 1960er geboren wurden, anfangen, in Rente zu gehen, dann wird es richtig hart", sagte Fratzscher. Dann werde die Politik irgendwann in Panik verfallen und in fünf Jahren drastische Einschnitte machen müssen. Vor allem junge Menschen seien dann betroffen. "Junge Generationen werden stärker belastet, Menschen müssen länger arbeiten und ältere werden weniger herausbekommen", meinte der DIW-Präsident. Man werde das Renteneintrittsalter auf 70 Jahre oder noch höher anheben müssen. Laut Fratzscher werde es in Zukunft außerdem höhere Rentenbeiträge und Steuern geben: "Das ist leider die bittere Konsequenz, wenn man nicht jetzt anfängt, wirklich dieses System zu reformieren." Laut Fratzscher sei die beste Option, mehr Menschen in den Arbeitsmarkt zu bekommen und damit mehr Menschen zu haben, die auch einzahlen könnten: "Bessere Löhne zu ermöglichen, das ist eigentlich der Schlüssel, der im Arbeitsmarkt liegt, um eben diese schmerzvollen Reformen im Rentensystem abzumildern." 
(Quelle: dpa, Business Insider, M+E-Newsletter)