Jeden Tag aktuell: Informationen aus Wirtschaft und Verbänden

VSU-Schlagzeilen 12.11.2021

Lieferengpässe bleiben ein großes Hindernis für die Unternehmen der M+E-Industrie / Wechsel der Werkleitung bei Ford in Saarlouis / BDI-Energieexperte Holger Lösch diskutiert über Wasserstoff und Klimawandel / IW-Studie warnt vor demografiebedingten Wohlstandsverlusten in Milliardenhöhe

Saarland/Region 
Lieferengpässe bleiben ein großes Hindernis für die Unternehmen der M+E-Industrie 
Wechsel der Werkleitung bei Ford in Saarlouis 
Diskussion um Einführung von 2G

VSU im Gespräch mit 
BDI-Energieexperte Holger Lösch diskutiert über Wasserstoff und Klimawandel 

Arbeitswelt 
Heil fordert „Schulterschluss“ für 3G am Arbeitsplatz 
EU-Abgeordnete wollen klare Leitfäden für Mindestlöhne 
  
Konjunktur 
EZB-Studie: Verbraucher erwarten nur vorübergehenden Inflationsschub 
  
Wirtschaftspolitik 
Altmaier fordert von 'Ampel' Unterstützung für Freihandelsabkommen 
IW-Studie warnt vor demografiebedingten Wohlstandsverlusten in Milliardenhöhe 
  
Digitalisierung 
Länderjustizminister für Überarbeitung des Cyberstrafrechts 
  
Steuern / Haushalt 
Steuerschätzer sehen bis 2025 Mehreinnahmen von 179 Milliarden Euro 
  
Klimapolitik 
Deloitte-Umfrage: 60 Prozent der Großunternehmen mit CO2-Zielen 
Studie: Deutschland weltweit zweitgrößter Markt für E-Autos 

Saarland/Region 

Lieferengpässe bleiben ein großes Hindernis für die Unternehmen der M+E-Industrie 
Die anhaltenden Lieferengpässe durch gestörte Lieferketten behindern die Unternehmen der Metall- und Elektrobranche in Deutschland und im Saarland in ihrem Bemühen, Rezession und Corona hinter sich zu lassen. Fast alle Unternehmen (95 Prozent) in Deutschland geben an, dass ihre Produktion durch fehlende Rohstoffe, Materialien oder Vorprodukte beeinträchtigt ist. 42 Prozent sind sogar stark betroffen, 40 Prozent mittelstark. Das zeigt eine aktuelle Umfrage des Verbandes der Metall- und Elektroindustrie des Saarlandes in Kooperation mit Gesamtmetall. 
Der Mangel zeigt sich auf allen Ebenen, von Kunststoffen über Metalle bis hin zu fertigen Bauteilen – in allen Bereichen gibt es immer wieder Knappheit. In 29 Prozent der Unternehmen deutschlandweit und in 35 Prozent der Betriebe an der Saar mangelt es an Rohstoffen und Materialien. Bei fast 40 Prozent sind die Vorprodukte knapp. Im Saarland macht sich wegen der starken Fokussierung auf die Autoindustrie vor allem der Halbleitermangel in der Produktion negativ bemerkbar. 
„Die aktuellen Lieferschwierigkeiten zeigen, dass wir in der Corona-Pandemie bei Weitem noch nicht über den Berg sind. Die Unternehmen haben zwar derzeit noch volle Auftragsbücher, können aber nicht produzieren, weil ihnen die nötigen Materialien fehlen“, sagt ME-Saar-Hauptgeschäftsführer Martin Schlechter. „Die Erholung wird noch lange dauern: Gerade weil in vielen Ländern noch geringe Impfquoten herrschen, droht das Virus weiterhin, wichtige Produzenten, Häfen und Logistikrouten lahmzulegen.“
Durch Rezession und Corona sind die Unternehmen weit hinter den Stand von 2018 zurückgefallen. Aktuell liegt die Produktion (im 3. Quartal 2021) 22 Prozent unter dem Stand von Ende 2018. „Seit bereits zweieinhalb Jahren bemühen wir uns, aus dem Tal herauszukommen. Jetzt wird es ein Anstieg mit Bleistiefeln“, sagt Schlechter. „Der Aufholprozess wird deutlich länger dauern als ursprünglich geplant.“ 
Aktuell berichten die Unternehmen im Bund wie an der Saar, dass die Lieferengpässe im Schnitt seit mehr als fünf Monaten andauern. Wie lange die Situation noch anhält, ist für die Unternehmen völlig offen. Rund sechs von zehn Unternehmen geben an, dass sich ein Ende aktuell nicht absehen lasse.  
Die Probleme in den Unternehmen sind von unterschiedlichster Ausprägung. Fast neun von zehn Unternehmen klagen bundesweit wie im Saarland über verspätete Lieferungen. Bei sechs von zehn (65 Prozent im Bund, 62 Prozent im Saarland) kommen die benötigten Produkte in zu geringer Menge an. Und sieben von zehn saarländischen Unternehmen (73 Prozent) beklagen gestiegene Preise im Einkauf. Bundesweit ist das sogar bei neun von zehn Unternehmen (89 Prozent) der Fall. Dass sich das Problem durch die ganze Lieferkette zieht, zeigt auch die Aussage eines Großteils der Unternehmen (85 Prozent Bund und Saarland), dass auch bei den Lieferanten die Produktion gestört ist. Als weiteres Problem machen die Unternehmen die Transportprobleme nach Europa aus (Bund: 59 Prozent, Saarland: 46 Prozent). 
Die aktuellen Lieferketten-Störungen werden auch zu einer stärkeren Diversifizierung der Unternehmen führen. 82 Prozent der Unternehmen im Bund geben an, dass sie sich nach alternativen Lieferanten oder Produkten umsehen werden. Im Saarland tun das sogar 87 Prozent der Befragten. Die entsprechenden Kostensteigerungen wollen sieben von zehn Unternehmen im Bund an die Kunden über Preiserhöhungen teilweise oder vollständig weitergeben. Im Saarland planen dies fast acht von zehn Unternehmen.  
Positiv ist zu sehen, dass die Unternehmen trotz der Probleme in der Produktion weiter an ihren Beschäftigten festhalten wollen. 27 Prozent der Unternehmen im Bund und 25 Prozent der Unternehmen im Saarland setzen weiter das Mittel der Kurzarbeit ein. Nur sechs Prozent im Saarland und neun Prozent im Bundesschnitt denken auch über den Abbau von Arbeitsplätzen nach.  
Die Umsatzeinbußen durch die Störungen der Lieferketten sind erheblich: Bundesweit geben die Unternehmen an, dass rund 12 Prozent des Umsatzes verloren gehen, im Saarland sprechen die Unternehmen von einer Einbuße von fast 18 Prozent. Als mögliche Hilfen der Politik werden unter anderem eine temporäre Aufhebung der LKW-Fahrverbote sowie der Nachtflugverbote genannt. Außerdem wünschen sich die Unternehmen eine Optimierung der Zollabfertigung, um hier unnötige Wartezeiten zu reduzieren. 
Für die Umfrage hat Gesamtmetall 1.485 Unternehmen mit 784.876 Beschäftigten befragt. Die Umfrage wurde zwischen dem 12. Oktober und dem 29. Oktober 2021 ausgeführt. Im Saarland haben sich 31 Unternehmen mit 26.411 Beschäftigten beteiligt. (Quelle: VSU)

Wechsel der Werkleitung bei Ford in Saarlouis 
Sara Gielen leitet vom 1. Dezember 2021 an das Ford-Werk. Die 49-Jährige übernimmt den Posten von Jürgen Schäfer, der sich nach 35 Jahren bei Ford zum 31. Dezember 2021 in den Ruhestand verabschieden wird. Sara Gielen begann Ihre Karriere bei Ford im Jahr 2000 als Launch-Koordinatorin im belgischen Genk und bekleidete seitdem verschiedene Führungspositionen im europäischen Fertigungsbereich. So leitete sie im Kölner Ford-Werk bereits die Endmontage (2014 bis 2019) sowie das Presswerk und den Karosseriebau (2019 bis 2020). Vor ihrem Wechsel nach Saarlouis war sie stellvertretende Werkleiterin der Kölner Fiesta Fertigung. Im Saarlouiser Werk verantwortete sie zunächst seit Januar dieses Jahres die Ford Focus Fertigung. Nun folgt sie auf Jürgen Schäfer, der die Werkleitung im November 2019 nach dem gesundheitsbedingten Ausscheiden von Kerstin Lauer übernommen hatte und davor das Kölner Motorenwerk leitete. Damit ist Sara Gielen bereits die zweite Frau an der Spitze des Werks in Saarlouis. (Quelle: Ford) 

Diskussion um Einführung von 2G 
Angesichts steigender Corona-Fallzahlen wird weiter über eine mögliche Verschärfung der Anti-Corona-Maßnahmen diskutiert. Während die stellvertretende Ministerpräsidentin Anke Rehlinger (SPD) forderte, über die Einführung der 2G-Regel nachzudenken, äußert sich Regierungschef Tobias Hans (CDU) momentan noch zurückhaltend. Der Corona-Experte Thorsten Lehr schließt sogar einen neuen Lockdown nicht aus. Die Infektionszahlen steigen weiter an und so wird erneut über eine mögliche Verschärfung der Anti-Corona-Maßnahmen diskutiert. Dass man in der Landesregierung die Einführung von 2G in der Gastronomie vorbereite – das ist laut Regierungssprecher Alexander Zeyer zumindest im Moment noch zu viel gesagt. Noch am Montag hatte sich die CDU-Fraktion im Landtag in der Landespressekonferenz deutlich gegen 2G ausgesprochen und betont, das sei momentan vor allem wegen der relativ geringen Hospitalisierungsrate nicht nötig. Gleichzeitig betont Ministerpräsident Hans: Sollte sich die Lage auf den Intensivstationen verschärfen und die Belegzahlen dort steigen, werde man 2G für die Innenbereiche von Gastronomie oder Clubs einführen. Das RKI meldete am Donnerstag für das Saarland 360 neue Infektionen mit dem Coronavirus. Die Sieben-Tage-Inzidenz stieg auf 152,1. Aktuell müssen im Saarland 79 Corona-Patienten stationär behandelt werden – 20 davon auf der Intensivstation. (Quelle: SR) 


VSU im Gespräch mit

BDI-Energieexperte Holger Lösch diskutiert über Wasserstoff und Klimawandel 
Welche Chancen bietet uns die Wasserstofftechnik im Klimawandel? Diese Frage stellen wir in unserer Gesprächsveranstaltung „VSU im Gespräch mit…“ dem stellvertretenden Hauptgeschäftsführer des Bundesverbands der Deutschen Industrie, Holger Lösch. Lösch ist Experte für Energie- und Klimafragen. In der Studie „Klimapfade 2.0“ hat der Bundesverband der Deutschen Industrie gerade herausgestellt, dass jährlich Investitionen von 100 Milliarden Euro nötig sind, um die Klimaziele bis 2030 zu erreichen. Das Saarland setzt für die CO2-Reduktion große Hoffnungen auf die Wasserstofftechnik. Welche Chancen der grüne Energieträger bietet – und welche nicht, diese Fragen werden wir mit Holger Lösch diskutieren.  
„VSU im Gespräch mit...“ ist ein Format, das mittags als Video-Konferenz stattfindet. Sie können sich per Computer, Tablet oder Handy einwählen. Bitte melden Sie sich bis zum 01.12.2021 unter www.anmeldung-saar.de/talk-loesch an. Die Einwahldaten erhalten Sie dann vorab per Mail. (Quelle: VSU) 


Arbeitswelt 
  
Heil fordert „Schulterschluss“ für 3G am Arbeitsplatz 
Arbeitsminister Heil will für die Einführung der 3G-Regeln am Arbeitsplatz das Gespräch mit Arbeitgebern und Gewerkschaften suchen. "Nur im Schulterschluss zwischen Beschäftigten, Unternehmen und Staat können wir für wirksamen Schutz und mehr Impfungen sorgen", sagte der geschäftsführende Minister und fügte hinzu, die bisherigen Maßnahmen reichten nicht aus, um das Infektionsgeschehen zu verringern, weshalb einerseits bestehende Vorgaben zum betrieblichen Infektionsschutz beibehalten werden müssten, etwa die Maskenpflicht oder die Testangebotspflicht für Arbeitgeber. Zusätzlich dürften künftig nur noch Geimpfte, Genesene und Getestete (3G) zur Arbeit gehen. Das sei notwendig, "um sowohl die Schließung von Kitas und Schulen als auch eine erneute Einschränkung der Wirtschaft zu vermeiden". (Quelle: dpa, M+E-Newsletter Gesamtmetall) 
  
EU-Abgeordnete wollen klare Leitfäden für Mindestlöhne 
In Verhandlungen mit den EU-Staaten über neue Standards für Mindestlöhne in der Union wollen Parlamentarier klare Leitlinien durchsetzen. Mindestlöhne sollen als angemessen und gerecht gelten, wenn sie die Lohnverteilung verbessern und den "Arbeitnehmern und ihren Familien einen angemessenen Lebensstandard sichern", heißt es in einem vom Arbeits- und Sozialausschuss des Europaparlaments angenommenen Entwurf, in dem die Parlamentarier erstmals konkrete Leitlinien für Mindestlöhne vorgeben wollen. Zudem wollen sie als Zielwert eine Tarifbindung von 80 Prozent durchsetzen. Deutschland lag laut Statistischem Bundesamt 2019 bei 44 Prozent. Derzeit verhandeln die EU-Staaten ebenfalls über ihre Position. Ein Ergebnis könnte Anfang Dezember feststehen. Länder und Parlament müssen sich danach einig werden, damit der Entwurf zum Gesetz wird. Dabei gibt es die Herausforderung, dass die EU-Verträge enge Grenzen setzen: Die EU darf keine konkreten Lohnhöhen vorgeben, sondern nur Leitlinien erlassen. Mehrere EU-Länder befürchten, dass sich Brüssel zu sehr in ihre nationalen Angelegenheiten einmischen könnte. (Quelle: dpa, M+E-Newsletter Gesamtmetall) 
  
  
Konjunktur 
  
EZB-Studie: Verbraucher erwarten nur vorübergehenden Inflationsschub 
Die Verbraucher in der Eurozone stellen sich einer EZB-Umfrage zufolge nur auf kurze Sicht auf einen deutlich erhöhten Preisdruck ein. Im Mittel erwarteten sie demnach im Oktober für die nächsten zwölf Monate eine Preissteigerungsrate von 3 Prozent. In den darauffolgenden drei Jahren soll sich den Erwartungen der Konsumenten zufolge die Rate aber wieder bei 2 Prozent einpendeln. Die Verbraucher haben damit eine tendenziell ähnliche Erwartung wie die EZB, die von einem Pandemie-bedingt vorübergehenden Inflationsschub ausgeht. Darauf wies auch EZB-Chefvolkswirt Lane bei der Vorstellung der Umfrage-Ergebnisse hin: "Es läuft darauf hinaus, dass die Befragten zumindest im Mittel darin übereinstimmen, dass dieser Inflationsanstieg sehr wahrscheinlich vorübergehender Natur ist." Die EZB hat für die Studie rund 10.000 Verbraucher in sechs Staaten des Euroraums online befragen lassen. (Quelle: Reuters, M+E-Newsletter Gesamtmetall) 
 
 
Wirtschaftspolitik
  
Altmaier fordert von 'Ampel' Unterstützung für Freihandelsabkommen 
Der geschäftsführende Wirtschaftsminister Altmaier hat die künftige Bundesregierung aufgefordert, sich hinter das Mercosur-Abkommen zu stellen. Das Abkommen sei mit deutscher Unterstützung ausgehandelt worden, sagte Altmaier. Deshalb hoffe er, dass es auch mit deutscher Unterstützung ratifiziert werde. "Deutschland muss vorangehen mit einer klaren, erkennbaren Position", sagte Altmaier. Davon werde viel abhängen. Über den Aufbau der Freihandelszone zwischen der EU und den Mercosur-Staaten Brasilien, Argentinien, Paraguay und Uruguay war im Sommer 2019 nach jahrelangen Verhandlungen eine politische Grundsatzeinigung erzielt worden. Der Deal wird allerdings nun von mehreren EU-Staaten wie Frankreich oder Österreich wieder infrage gestellt. Unterstützung der künftigen Bundesregierung forderte Altmaier auch für die Verhandlungen der EU-Kommission mit Chile, Neuseeland und Australien. Dort habe es große Fortschritte gegeben, sagte er. (Quelle: Reuters, M+E-Newsletter Gesamtmetall) 

IW-Studie warnt vor demografiebedingten Wohlstandsverlusten in Milliardenhöhe 
In den nächsten 15 Jahren wird sich die deutsche Wirtschaft drastisch wandeln: Die Baby-Boomer arbeiten nicht mehr, auf dem Arbeitsmarkt fehlen dann mehr als fünf Millionen Erwerbstätige. Eine neue IW-Studie, die gemeinsam mit StepStone, New Work SE und Kienbaum Consultants International entstanden ist, untersucht die Folgen dieses Wandels anhand von drei Szenarien. Im Basisszenario sinkt das Arbeitsvolumen wie demografisch vorgezeichnet ab 2025 deutlich und bremst damit das Wirtschaftswachstum. Gleichzeitig gehen die IW-Ökonomen davon aus, dass der Kapitaleinsatz – also Produktionsfaktoren wie Maschinen und Werkzeuge – bis 2035 langsam steigt. Der technische Fortschritt entwickelt sich gleichmäßig weiter, wenn auch in überschaubarem Ausmaß: Viele Fachkräfte fehlen, dadurch gibt es weniger Innovationen. Unter der Annahme eines solchen weitgehenden Weiter-So in der Politik steigt das reale Einkommen pro Kopf bis 2035 nur noch um durchschnittlich rund 1 Prozent pro Jahr. Würde es in den kommenden Jahren genauso stark wachsen wie in den vergangenen drei Dekaden, dann läge der Lebensstandard im Jahr 2035 um gut 1.600 Euro je Einwohner höher. 
In einem Positivszenario gelingt es, die Lücke der Baby-Boomer etwas auszugleichen, es gibt also deutlich mehr Fachkräfte, mehr Kapital und stärkeren technischen Fortschritt als im Basisszenario. Dadurch steigt die Produktivität und das reale Einkommen pro Kopf wächst mit jahresdurchschnittlich 1,4 Prozent deutlich stärker. Damit liegt der Lebensstandard im Jahr 2035 um rund 3.000 Euro höher als im Basisszenario. Es kann aber auch schlechter kommen, wenn die Wirtschaftspolitik ihre Hausaufgaben nicht macht. In einem Negativszenario würden ein schlechteres Innovationsklima und investitionshemmende Weichenstellungen die Wirtschaft deutlich stärker bremsen. Dann drohen spürbare Wohlstandsverluste. Das reale Einkommen pro Kopf würde im Vergleich zum Basisszenario im Jahr 2035 um bis zu 4.000 Euro geringer ausfallen. Die Politik müsse jetzt handeln, fordert das IW. Den Unternehmen fehlen viele Erwerbstätige: Würden Kitas und Schulen weiter ausgebaut, könnten viele Eltern Vollzeit statt Teilzeit arbeiten. Auch Zuwanderer können helfen, die Fachkräftelücke etwas zu schließen. Lebenslanges Lernen und gezielte Weiterbildungen sind unverzichtbar, um ältere Beschäftigte langfristig am Arbeitsmarkt zu halten. Es braucht aber auch optimale Bedingungen für private Investitionen, eine bessere öffentliche Infrastruktur und gute Marktzugangschancen für Unternehmen, die Innovationen anbieten. „Die künftige Bundesregierung ist gefordert, auf die Schrumpfung der Bevölkerung zu reagieren, erst dann können auch die Unternehmen ihre Hausaufgaben erledigen“, sagte IW-Direktor Hüther: „Ein Weiter-So kostet uns alle Wohlstand und kann nicht im Interesse der Politik sein.“ (Quelle: IW, M+E-Newsletter Gesamtmetall) 
  
  
Digitalisierung 
  
Länderjustizminister für Überarbeitung des Cyberstrafrechts 
Angesichts der wachsenden Bedrohung durch Cyberangriffe dringen die Justizminister der Länder auf eine Überprüfung des geltenden Cyberstrafrechts. Die Cyberkriminalität bedrohe zunehmend Unternehmen, die Privatsphäre und das Sicherheitsgefühl der Menschen, betonen die Justizminister. Sie habe das Potenzial, die Grundlagen von Demokratie, Rechtsstaat und Wirtschaft massiv zu gefährden. Die Länderminister forderten deshalb das Bundesjustizministerium auf zu prüfen, ob das Strafrecht den aktuellen Entwicklungen noch ausreichend gerecht werde und noch eine generalpräventive Funktion entfalte. Außerdem müsse geprüft werden, ob den Strafverfolgungsbehörden geeignete und verhältnismäßige Ermittlungsinstrumente zur Verfügung stehen, um diese Delikte effektiv verfolgen zu können. Die Politiker baten das Bundesjustizministerium gleichzeitig, eine Expertenkommission zur grundlegenden Überarbeitung des Cyberstrafrechts einzurichten. (Quelle: dpa, M+E-Newsletter Gesamtmetall) 
  
  
Steuern / Haushalt 
 
Steuerschätzer sehen bis 2025 Mehreinnahmen von 179 Milliarden Euro 
Der deutsche Fiskus kann in den nächsten Jahren mit deutlich höheren Steuereinnahmen rechnen als bisher angenommen. Insgesamt dürften bis einschließlich 2025 rund 179,0 Milliarden Euro mehr in der Staatskasse landen als noch im Mai erwartet. Das Finanzministerium erklärte, die entschlossene Hilfspolitik der Regierung zur Bewältigung der Folgen der Pandemie wirke, "gerade die Ertragsteuern fallen höher aus als bisher erwartet". Die Steuereinnahmen bis einschließlich 2025 lägen im Vergleich zur Schätzung vom Mai durchschnittlich jährlich um gut 35 Milliarden Euro höher, wovon Bund, Länder und Gemeinden profitierten. Dieses Jahr können Bund, Länder und Gemeinden nach der Kalkulation mit 38,5 Milliarden Euro mehr rechnen als im Mai angenommen. Kommendes Jahr können sie dann zusätzliche 36,8 Milliarden Euro einrechnen und 2023 rund 33,8 Milliarden Euro mehr. Für die beiden Folgejahre soll es dann Mehreinnahmen gegenüber der bisherigen Prognose von 33,6 Milliarden Euro 2024 und 36,3 Milliarden Euro 2025 geben. Dem Bund allein winken dieses Jahr um 11,7 Milliarden Euro höhere Steuereinnahmen als erwartet, im nächsten Jahr sollen es dann 13,8 Milliarden mehr sein. Insgesamt sollen die Steuereinnahmen 2021 gegenüber dem Vorjahr um 9,8 Prozent auf 812,0 Milliarden Euro steigen und 2022 um 4,5 Prozent auf dann 848,9 Milliarden Euro. Im Mai hatten die Schätzer mit Einnahmen von 773,5 Milliarden Euro im Jahr 2021 gerechnet. Für die nachfolgenden Jahre veranschlagen die Experten nun jährliche Steigerungsraten zwischen 4,5 und 3,5 Prozent. Im Jahr 2026 sollen die Einnahmen nach ihren Berechnungen bei 987,5 Milliarden Euro liegen. (Quelle: Dow Jones, M+E-Newsletter Gesamtmetall) 

  
Klimapolitik 
  
Deloitte-Umfrage: 60 Prozent der Großunternehmen mit CO2-Zielen 
Rund 60 Prozent der von der Unternehmensberatung Deloitte befragten großen deutschen Unternehmen haben sich feste CO2-Reduktionsziele gesetzt. Dabei strebten knapp 40 Prozent CO2-Neutralität an, teilte die Unternehmensberatung mit. Im europäischen Vergleich könnten sich die deutschen Unternehmen dabei „im oberen Mittelfeld behaupten“. Deloitte hatte im September 158 Finanzvorstände deutscher Großunternehmen befragt. Besonders wichtig ist die CO2-Reduktion danach in der Konsumgüterindustrie und der Chemiebranche. Im Handel und im Maschinenbau hingegen hätten mehr als die Hälfte der Unternehmen keine konkreten Ziele dazu. Als entscheidendes Motiv für eine eigene Klimaschutzstrategie nannten 63 Prozent die Stärkung des Ansehens beim Kunden, 41 Prozent Kostenreduktion, 39 Prozent Kundenwünsche, 36 Prozent regulatorische Vorschriften. Zwei Drittel der Unternehmen fokussieren ihre Klima-Maßnahmen auf die Vermeidung eigener Emissionen. Jeweils 46 Prozent streben an, auch in der Lieferkette Emissionen zu reduzieren und selbst klimafreundliche Produkte und Dienstleistungen zu entwickeln. Lücken bestünden noch beim Nachhaltigkeitsmanagement, so Deloitte: Erst 49 Prozent der Teilnehmer haben bereits eine Verankerung von Nachhaltigkeitszielen in der externen Berichterstattung umgesetzt." Auch bei der Definition von Nachhaltigkeitszielen und der Bereitstellung relevanter Daten als Entscheidungsgrundlage gebe es noch Lücken. (Quelle: dpa, M+E-Newsletter Gesamtmetall) 
  
Studie: Deutschland weltweit zweitgrößter Markt für E-Autos 
Deutschland ist auch in diesem Jahr der weltweit zweitgrößte Markt für Elektroautos: Bis Ende September wurden hier eine halbe Million Plug-in-Hybride und vollelektrische Autos neu zugelassen und damit so viele wie in Großbritannien, Frankreich und Italien zusammen, berichtet das Center of Automotive Management (CAM). In China wurden demnach 2,07 Millionen, in Europa insgesamt 1,58 Millionen, und in den USA nur 0,43 Millionen Elektroautos verkauft. (Quelle: dpa, M+E-Newsletter Gesamtmetall)