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DIW: Geringe Impfquote in Schwellenländern bleibt Risiko für Industrie

Deutschland erlebt wieder einen Aufschwung. Das DIW hebt seine Prognose vom Frühjahr von 3.0 auf 3,2 Prozent für das laufende Jahr an, im kommenden Jahr sollen es sogar 4,3 Prozent sein. Hier hatte das DIW im Frühjahr 2021 noch 3,8 Prozent erwartet. Ein erhebliches Risiko geht weiterhin von den Schwellenländern aus.

Deutschland steht vor einer wirtschaftlichen Erholung. Diese Botschaft verkündete Marcel Fratzscher, Leiter des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) bei der Konjunkturpressekonferenz des Instituts. "Der Aufschwung, den wir jetzt erleben, ist wirklich von Dauer", sagte Fratzscher.

Trotzdem gibt es weiterhin Belastungsfaktoren. Vor allem die Rohstoffknappheit bestimmt weiterhin die Konjunktur. Auf breiter Front seien Engpässe zu beobachten, sagte DIW-Experte Claus Michelsen. Dies betreffe vor allem die produzierende Industrie, wo neben den seit Monaten knappen Halbleitern auch wichtige Rohstoffe fehlen. Auch die Bauindustrie leidet unter einer anhaltenden Holzknappheit. 

Der Rohstoffmangel bleibt ein Risikothema, vor allem angesichts der anhaltenden Corona-Pandemie in den Schwellenländern. Anders als die entwickelten Industrienationen, die ihre Impfkampagnen bereits stark vorangetrieben haben, bleibt in den Schwellenländern ein hohes Risiko weiterer Corona-Wellen. Diese könnten dann auch durch drohende Lockdown-Maßnahmen die Produktion wichtiger Zulieferteile und die Förderung der Rohstoffe einschränken. Hier drohe der deutschen Industrie ein Rückschlagsrisiko, sagt auch DIW-Spezialistin Geraldine Dany-Knedlik. "Gerade für den Bereich der Elektronik, der Halbleiter und der Autoindustrie besteht hier noch ein erhebliches Risiko", sagt sie.

Insgesamt geht das DIW in den fortgeschrittenen Volkswirtschaften aber von einer deutlichen Entspannung aus. Die Weltwirtschaft insgesamt werde in diesem Jahr voraussichtlich um 6,7 Prozent wachsen, vor allem getrieben durch ein starkes Wachstum in den USA (6,9 Prozent) und China (8,3 Prozent). Deutschland wird sich dabei mit einem Plus von 3,2 Prozent noch besser entwickeln als Anfang des Jahres erwartet. Damals hatte das DIW noch mit drei Prozent Wachstum gerechnet.

Die Corona-Pandemie wird in der Konjunktur trotzdem langfristig Spuren hinterlassen. Denn weil sich die USA und China schneller erholen verliert Deutschland an Wettbewerbsfähigkeit im Weltmarkt. DIW-Chef Marcel Fratzscher fordert deshalb, die staatliche Investitionsförderung weiter beizubehalten. Vor allem die anstehende Transformation der Wirtschaft sei durch Corona schwieriger geworden, da die Unternehmen in der Krise ihre Liquidität weitgehend verbraucht haben. Gerade Transformations- und Dekarbonisierungsprojekte gelte es jetzt voranzutreiben, sagt Fratzscher.  

Er warnt vor einer Austeritätspolitik und vor einer zu schnellen Rückkehr zur Schuldenbremse. Der Abbau der gestiegenen Staatsschulden sei am besten durch ein starkes Wachstum der Wirtschaft zu erreichen.

Corona-Impfung
Foto: iStock/azmanL